Do, 08.10.2026
19.00 Uhr
Grüner Salon
12.00 €
9.00 € ermäßigt
Der Titel von John Steinbecks berühmtem Roman „Früchte des Zorns“ (1939) entstammt der Apokalypse des Johannes. In der Bibel ist immer wieder vom Zorn Gottes die Rede. Wie fürchterlich dieser Zorn sein kann, zeigen die Sintflut, der Untergang von Sodom und Gomorra sowie die über Ägypten verhängten zehn Plagen. Auch in Walter Benjamins Schrift „Zur Kritik der Gewalt“ (1921) geht es weniger um eine Absage an Gewalt als um die messianische Hoffnung, dass die Welt erst zerschlagen werden muss, um in Gerechtigkeit wiedererstehen zu können. Der Drang, nur noch dreinschlagen zu wollen, ist uns Menschen nur allzu gut bekannt. Kränkungen, Ohnmacht und Verzweiflung summieren sich zuweilen zu unerträglichen Spannungen, die in blinde (Selbst-)Zerstörung umschlagen. In der Literatur finden sich dafür zahllose Beispiele, von den antiken Tragödien über Shakespeare bis zu Kleist und Heiner Müller. Auch die derzeitige Weltlage lässt an Freuds „Todestrieb“ denken – insbesondere bei Bewegungen, die eine vergangene Größe beschwören und sich nach alten Übersichtlichkeiten sehnen.
Moderation: Alexander Suckel
Bild (c) Peter-Andreas Hassiepen
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