Do, 19.11.2026
19.00 Uhr
Grüner Salon
10.00 €
8.00 € ermäßigt
Walter Bauer (geboren 1904 in Merseburg, gestorben 1976 in Toronto) gilt als bedeutender deutschsprachiger Autor des 20. Jahrhunderts. Doch geriet er aufgrund widriger Zeitläufte nahezu in Vergessenheit. 1930 wurde er durch sein Buch „Stimme aus dem Leunawerk“, erschienen im renommierten Berliner Malik-Verlag, zum shooting star der deutschen Literatur. Tucholsky, Hesse, Werfel lobten in höchsten Tönen, Stefan Zweig wurde zum Freund. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Walter Bauer nicht in seine mitteldeutsche Heimat zurück, wurde in Westdeutschland einer der erfolgreichsten Hörspielautoren, wirkte als Schatzmeister des deutschen PEN und war Mitglied der Akademie der Deutsche Sprache und Dichtung. Enttäuscht nicht zuletzt von Restaurationsbestrebungen wanderte er 1952 nach Kanada aus, wo er allerdings weiter auf Deutsch schrieb, und so in seiner Wahlheimat kaum bekannt wurde. In der BRD wie in der DDR (wo er so gut wie nicht gedruckt wurde) fiel er zunehmend dem Vergessen anheim, obwohl sein Œuvre mehr als 90 Bücher umfasst, dazu zahlreiche Hörspiele, Essays, Artikel.
Erst mit der Wende setzten Bestrebungen ein, Walter Bauer wieder als den wichtigen Autor ins Gespräch zu bringen, der er war. So wurden in Merseburg wie Leuna Straßen nach ihm benannt, ebenso die Merseburger Stadtbibliothek (in der es nunmehr auch ein Walter-Bauer-Archiv gibt). Die Städte Merseburg und Leuna vergeben seit 1994 aller zwei Jahre den Walter-Bauer-Preis, die Infra Leuna seit 2020 ein Walter-Bauer-Stipendium. Die Liste der Preisträger liest sich mittlerweile wie ein Who is Who (ost)deutscher Literatur: Wilhelm Bartsch, Matthias Biskupek, Daniela Danz, Jens-Fietje Dwars, Peter Gosse, Kerstin Hensel, Wolfgang Hilbig, Wulf Kirsten, Thomas Kunst, André Schinkel, Eva Strittmatter… Im Mitteldeutschen Verlag erscheint seit 2016 eine Walter-Bauer-Reihe, jüngst: „Walter Bauer. Noble Bird“
Um auf Walter Bauers Bedeutung für die deutsche Literatur und nicht zuletzt auf das Image seiner mitteldeutschen Heimat intensiver und zielgerichteter hinzuweisen, wurde durch den Nachlassverwalter Jürgen Jankofsky anlässlich von Bauers 50. Todestag ein Walter-Bauer-Gedächtnisjahr initiiert und organisiert, das von zahlreichen Partnern getragen wird, vor allem von den Städten Merseburg und Leuna, dem Saalekreis und dem Land Sachsen-Anhalt. Fast 50 Veranstaltungen fanden nicht nur in Merseburg und Leuna, sondern auch in weiteren Städten Sachsen-Anhalts, so im Gleimhaus Halberstadt, in der Goitzsche-Galerie Bitterfeld oder bei der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen, sowie in Berlin, Leipzig und Nordrhein-Westfalen, Georgien, Kärnten und Wien statt.
Ein Abend mit der Walter-Bauer-Preisträgerin des Jahres 2026, Nancy Hünger. Der Schauspieler Peer-Uwe Teska liest Gedichte Bauers. Jürgen Jankofsky, Walter-Bauer-Preisträger des Jahres 1996, moderiert und bringt O-Töne von Lesungen Walter Bauers zu Gehör.
Bild (c) Jürgen Jankofsky
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