Aktuelles

Neuigkeiten des Hauses.

23.05.2018 Ein guter Leseort – Klaus Pankow

Das Literaturhaus Halle startet durch

 

An einem dunklen Novembertag des Jahres 2016 treffen sich Roman Pliske, Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verlages, und der Theatermann und Autor Alexander Suckel wie so oft im Café Ludwig zum Absacker. Beide kennen sich schon lange, wie denn überhaupt im überschaubaren Halle (Saale) jeder jeden kennt, der oder die „irgendwas mit Kultur“ zu tun hat. Die Wege sind hier kurz und der Mut zu Neuem ist nicht allzu groß. Pliske und Suckel wollen ein Projekt verwirklichen, das Projekt heißt „Literaturhaus Halle“. Aber die berühmt-berüchtigten Wasserglas-Lesungen mit fünf bis zehn Gästen gibt es natürlich schon, so also nicht. Anders, gewagter, größer irgendwie, denn Literatur braucht Raum und viele Partner.

 

Das alte Kunstforum der Saalesparkasse in einer Gründerzeitvilla steht leer, das wäre ein guter Leseort…Nur, wie soll das gehen? Bernd Wiegand, Oberbürgermeister der Stadt und ein Literaturbegeisterter, macht mit und wird schnell konkret. Das Literaturhaus gewinnt in wenigen Monaten Kontur. Die Universität, die Akademie der Künste Sachsen-Anhalt, der Mitteldeutsche Rundfunk, die Nationale Akademie Leopoldina, die Franckeschen Stiftungen und viele andere werden ins Boot geholt und – natürlich – muss ein Verein gegründet werden.

Anfang März 2018 soll es an den Start gehen, und das gelingt. Die Kommune fördert das Vorhaben im ersten Jahr mit 60 000 Euro, die Saalesparkasse sieht die Chance zur Imagepflege und gibt Geld, fordert aber vom Verein Miete.

 

Das Eröffnungswochenende vom 2. bis 4. März bietet viel: Die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse lesen, Judith Herrmann und der Lyriker Jan Wagner sind dabei. Es gibt eine Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche, die Akademie der Künste stellt aus. Mehr als 1 200 Leute besuchen an diesen drei Tagen 16 Veranstaltungsformate.

Heute ist Alltag in die Stadtvilla eingezogen, stiller ist es nicht geworden. Zur Buchpremiere des neuen Lyrikbandes „Gotische Knoten“ von Wilhelm Bartsch kommen 100 Zuhörerinnen und Zuhörer. OB Wiegand moderiert die Reihe „Bernd, Buch & Bürger“, zunächst mit Reiner Calmund und Barbara Sichtermann; eine kuriose Reihenfolge, die aber funktioniert. Am 9. Juni liest der Leipziger Lyriker Andreas Reimann. Die Zusammenarbeit mit dem Haus des Buches in Leipzig ist fruchtbar; man nimmt sich weder Publikum noch Autoren weg. Das ist auf dem Literaturmarkt der Eitelkeiten selten.

Alexander Suckel ist optimistisch, dass das Interesse am Literaturhaus anhalten wird: „Das hier ist die schönste aller Welten.“ Im Treppenaufgang gibt es eine Pinnwand, an die jeder seine Eindrücke   heften kann. Auf einem Zettel steht: „Will jemand das Bonbon mit mir teilen?“, auf einem anderen: „Glücklich? Glücklich!“

 

Klaus Pankow

erschienen am 19.05.2018 in der Zweiwochenschrift Ossietzky

24.04.2018 Straßenmusik 2 – Simone Buchholz

© Achim Multhaupt

Simone Buchholz

Straßenmusik 2

Nachts in einer fremden Stadt ist es manchmal wärmer, als man denkt. Wir sind zwei Frauen und zwei Männer, haben uns vor vielleicht zwei Stunden kennengelernt. Spontane Bandenbildung. Die drei anderen kennen sich schon lange, die beiden Männer sind alte Freunde, und sie sind Liebeskriegsveteranen. Ihre Frauen haben ihnen Wunden geschlagen, es ist noch nicht lange her. »Vier Wochen«, sagt der eine.
Seine Frau ist mit einem anderen ins Bett gegangen, und jetzt ist sie weg, und er weiß nicht, wohin mit sich, seinem Freund geht es genau gleich.
Die Bande steht in einer Kneipe, die Zwei Zimmer, Küche, Bar heißt, die Bande trinkt sehr schnell sehr viel Wein, zwei von uns trinken weißen, zwei von uns roten, manchmal schütten wir auch was zusammen und teilen und schweißen uns damit aneinander, als wäre es Blut oder Spucke.
Dann geht die Tür auf und es kommt jemand rein, wie das in Kneipen eben so ist.

© Simone Buchholz

»Ein Messer«, sagt der eine Mann, nennen wir ihn M., »ich brauche ein Messer.«
»Alter«, sagt der andere Mann unserer Bande, und er heißt verrückterweise auch M., »das ist der Typ.«
»Welcher Typ?«, frage ich.
»Der Typ, mit dem M.’s Frau ihn beschissen hat«, sagt die andere Frau unserer Bande, sie ist übrigens wunderschön, und sie heißt J.
Wir ziehen alle vier die Augenbrauen zusammen, wir sind eine einzige Monobraue. Man kann Leute aus einem Raum kucken, manchmal funktioniert das, man muss nur böse genug kucken.
»Wird schwierig«, sage ich. Der Typ tut so als wären wir nicht da, der ignoriert uns, der denkt doch echt, er kann uns ignorieren, verdammt, also – ich fange richtig schlimm an zu schimpfen, es ist fast unangenehm.
»Komm«, sagt J., und trinkt ihren Rotwein in einem Zug aus, »komm, wir gehen rüber und brechen ihm das Herz.«
Perfekter Plan.
Wir schleichen uns an.
Als wären wir Katzen.
Dann geht es ganz schnell.
Wir kommen über ihn wie ein Gewitter.
So: Herz gepackt, Herz raugerissen, Herz zerfleischt, unserem Kollegen als Trophäe auf den Tresen gelegt.
Alle beruhigen sich wieder.
Leg dich nicht mit einer gerade gegründeten Bande an. Wenn sie noch heiß auf Siege sind, sind sie am gefährlichsten.

06.03.2018 Das LHH auf MDR Kultur

Zur Eröffnung des LHH war der Journalist Tino Dallmann bei uns im Haus. Seine Zusammenfassung von Interviews, Momentaufnahmen und Stimmungsbildern ist heute in der „Werkstatt“ auf MDR Kultur zu hören. Für alle, die nicht dabei sein konnten oder für die, die die besten Momente noch einmal erleben möchten.

6.März 2018 um 22.00 Uhr. Oder in der Mediathek unter https://www.mdr.de/kultur/radio/ipg/sendung-264310_date-2018-03-06_days-true_ipgctx-true_zc-615a8373.html

Danke für mehr als 1000 Besucher

Das Eröffnungswochenende mit rund 40 Autoren, Musikern, Schauspielern und Moderatoren in über 16 Veranstaltungen war ein großer Erfolg. Das LHH freut sich über mehr als 1000 Besucher, die an diesem Wochenende bei uns zu Gast waren.

15.02.2018 Alexander Suckel heute im Deutschlandfunk Kultur „Lesart“ Das Literaturmagazin

Streitbarer Ort
Halle bekommt ein Literaturhaus
Gespräch mit dem Leiter Alexander Suckel

March 2017
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