Veranstaltungen

Di, 28.06.2022
19.00 Uhr
Grüner Salon

8.00 €
5.00 € ermäßigt

„Meine Kampagne in Frankreich“ (Christian Friedrich Laukhard) – Gespräch mit dem Herausgeber Wolfgang Hörner

Halle war sein Schicksal.

Christian Friedrich Laukhard: Ein Grimmelshausen aus Halle, pazifistischer Soldat im Angriffskrieg und einer der ersten Whistleblower Deutschlands

 

 

 

„Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen“ – das schrieb Johann Wolfgang von Goethe über die sogenannte Kanonade von Valmy im Jahre 1792, in der die französischen Revolutionäre das preußisch-österreichische Invasionsheer zurückschlugen, das dort den König zurück an die Macht bringen wollte. Aber die aufständischen Bürger gewannen. Aber Goethe schrieb den berühmten Satz mit 30 Jahre Abstand – direkt in der Situation dachte keiner an „weltgeschichtlichen Epochen“: eher versuchte man, die eigene Haut aus dem Chaos zu retten.

 

Einer, der auch „dabei gewesen“ ist, war Christian Friedrich Laukhard, wie Goethe Gelehrter und Autor. Aber er war nicht als Teil der Heerführung unterwegs, gut verpflegt, mit Pferd und Diener, sondern als einfacher Soldat, oft im Freien kampierend, hungernd, frierend, durchnässt, teilweise barfuß. Seine akademische Karriere hatte in Hall durch einen brutalen Akt der Zensur ein jähes Ende genommen – und so hatte er sich aus Not als Soldat verpflichten müssen.

 

Wer Laukhard liest, lernt den Krieg aus der Sicht des „gemeinen Soldaten“ kennen. Man weiß nicht recht, wo man ist, verliert mehr Kameraden durch Hunger und Ruhr als durch den Feind, befolgt unsinnige Befehle, hat Zweifel am Sinn des Ganzen. Denn der gelehrte Laukhard hat durchaus Sympathien für die Revolution und misstraut der eigenen Propaganda. Und wie kaum ein zweiter beschreibt er die Eigendynamik des Krieges, wo – Kriegsrecht hin oder her – aus Hunger geplündert wird, Gewalt Gewalt erzeugt, und am Ende jeder sich selbst am nächsten ist. Laukhard berichtet noch während des Feldzugs in Briefen in einen hallenser Freund von alledem, der diese enthüllenden Dokumente zum Druck befördert – freilich ohne den wahren Autor zu verraten.

 

In seinen Schriften behält Laukhard immer seinen unverwechselbaren Blick, verliert nie seinen mal verschmitzten, mal sarkastischen Humor und seine Fähigkeit zur scharfen Analyse. Und er hat immer im Auge, worauf es in egal welchen Umständen am meisten ankommt: die Menschlichkeit.

 

Es wird Jahre dauern, bis Laukhard aus der Armee freikommt und wieder nach Halle heimkehrt.

Aber dort erwarten ihn neue Querelen …

 

 

 

Moderation: Alexander Suckel

 

 

Foto (c) Wikipedia

 

March 2017
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