Veranstaltungen

Di., 23.02.2021
19.00 Uhr
Grüner Salon

Eintritt frei

LIVESTREAM und AUFZEICHNUNG Gespräch mit Nicola Gess über ihr Buch „Halbwahrheiten. Zur Manipulation von Wirklichkeit“

Halbwahrheiten gehören zu den auffälligsten und wirkmächtigsten Instrumenten des sogenannten postfaktischen politischen Diskurses – eines Diskurses, der zwischen Relativismus und Zynismus schwankt und für den die Verwandlung von Fakten in bloße Meinungen ebenso typisch ist wie das Streben nach Aufmerksamkeit und die Demonstration autoritärer Setzungsmacht. Ob Fake News, Verschwörungstheorien oder populistische Propaganda: Sie alle kommen nicht ohne Halbwahrheiten und ihre Manipulation von Wirklichkeit aus. In ihrem Buch setzt Nicola Gess die Halbwahrheit ins Vernehmen mit dem Ideologiebegriff und formuliert eine Theorie der Halbwahrheit als narrativer Kleinform, die nicht nach dem binären Code wahr/falsch, sondern glaubwürdig/unglaubwürdig funktioniert. Am Beispiel des gefallenen Journalisten Claas Relotius, des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen und des Literaten Uwe Tellkamp untersucht sie, wie eine Rhetorik der Halbwahrheiten arbeitet und warum man ihr mit einem »Fiktionscheck« besser begegnen kann als mit einem »Faktencheck«.

 

 

»Von Nicola Gess lässt sich lernen, Halbwahrheiten sind keine Wahrheiten zum halben Preis, sondern Lügen verkleidet als Faktencheck. Ein wichtiges Buch zum richtigen Zeitpunkt!«

(Ulrich Bröckling, Professor für Kultursoziologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

 

»Brillant folgt Nicola Gess den Spuren der vielen derzeit grassierenden Halbwahrheiten, die erstaunlich lange Beine haben. Sie hat einen ausgeprägten Spürsinn für die verschlungenen Wege dieser Chimären, für das Spiel und für die Dynamik, die sie auszeichnen. Und sie erklärt auch, warum herkömmliche Ideologiekritik bei dieser postfaktische Rhetorik, die aber bei aller Fiktionalität äußerst faktengläubig daherkommt, schnell an ihre Grenzen stößt. Ein kleines aber wichtiges Buch über das vielleicht größte Problem unserer Gegenwart: das von immer mehr Menschen eingeklagte Recht auf ihre eigenen Fakten.«

(Adrian Daub, Professor of Comparative Literature and German Studies, Stanford University)

 

 

Moderation: Alexander Suckel

 

 

Nicola Gess ist Professorin für Neuere deutsche und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Basel. Nach einem Studium der Literaturwissenschaft, Musikwissenschaft und Querflöte in Hamburg, Princeton (USA) und Berlin forschte sie an der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Regensburg und der Freien Universität Berlin und folgte 2010 einem Ruf an die Universität Basel (CH). Nicola Gess ist Leiterin des vom Schweizer Nationalfonds geförderten Forschungsprojekts Halbwahrheiten. Wahrheit, Fiktion und Konspiration im ‚postfaktischen Zeitalter‘ und Co-Leiterin der ebenfalls vom Nationalfonds geförderten Sinergia-Forschergruppe The Power of Wonder. Gastaufenthalte und Fellowships führten sie u.a. an das Käte Hamburger Kolleg Morphomata an der Universität Köln, an das Max Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte und an das Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin und an die Kolleg-Forschergruppe Imaginarien der Kraft an der Universität Hamburg. Zu ihren Veröffentlichungen gehören: Halbwahrheiten. Zur Manipulation von Wirklichkeit (2021), Staunen. Eine Poetik (2019), Primitives Denken. Kinder, Wilde und Wahnsinnige in der literarischen Moderne (Müller, Musil, Benn, Benjamin) (2013), Gewalt der Musik. Literatur und Musikkritik um 1800 (2. Auflage 2011).

 

Foto (c) Bettina Hägeli

 

Sehen Sie hier den Livestream des Gesprächs am 23.02.2020 um 19 Uhr.

Dieses Gespräch steht Ihnen auch weiterhin auf unserer Facebookseite zur Verfügung. 

 

 

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